„Welch ein Glück, eine Jellicle Katze zu sein!“

„Welch ein Glück, eine Jellicle Katze zu sein!“

Ronacher Theater Wien. Ein paar Minuten vor Beginn der Musicalaufführung CATS. Die letzten ZuschauerInnen huschen auf ihre Plätze. Gedämpfte Stimmen, dazwischen Gelächter und ein beinahe synchrones  Knarren von Stühlen, die noch zurechtgerückt werden – die Vorfreude auf die Vorführung steigt. Direkt neben mir große, freudenstrahlende Kinderaugen, die das eindrucksvolle, farbenfrohe Bühnenbild bestaunen.

Und plötzlich: eine Explosion aus Musik und Licht. Sie gibt den Blick frei auf einen überlebensgroßen Schrottplatz. Suchende Autoscheinwerfer schneiden durch die abgedunkelte Landschaft aus Flaschen und Schachteln, und fangen flüchtig das aufblitzende Bild einer vorbeieilenden Katze ein. Die gespannten Augen des kleinen Mädchens weiten sich. Wie in Trance blicken die ca. 2000 Augen im Publikum auf vorbeihuschende Katzen und lauschen dem fröhlichen Miauen – dessen Hall im endlos wirkenden Sternenhimmel langsam verebben zu scheint. Die Jellicle Katzen sind anfangs misstrauisch und lassen das Publikum nur zögerlich in ihr Reich. Sie sind stolz, weihen aber dennoch ihre menschlichen Besucher und Besucherinnen in „Die Namen der Katzen“ ein, wer sie sind, und verraten, dass Katzen drei verschiedene Namen haben: einen Namen für Zuhaus, einen für sich ganz allein und einen heimlichen Namen…

Nach dem ersten Ensemble ein tosender Applaus. Schon jetzt zieht die Vorstellung die ZuschauerInnen in ihren Bann. Und auch ich bin schlichtweg gefesselt. Also. Musik an. Welt aus. Zurücklehnen und staunen.

Darstellerinnen des Musicals CATS © Alessandro Pinn

Beim Musical CATS in Wien regnet es Herzen

Spätestens beim Auftritt des „Katzen-Charmeurs“ ist es um alle Personen im Saal geschehen. Der sogenannte Rum Tum Tugger ist ein ausgelassener Witzbold, den alle weiblichen Katzen wahnsinnig attraktiv finden und der es genießt, im Mittelpunkt zu stehen. Er wird von allen Seiten umgarnt und vom Miauen der Katzen herbeigelockt. Sein prachtvolles Fell – eine Augenweide. Sein stolzes Haupt – ein Gedicht. Und sein schelmischer Blick – zum Dahinschmelzen. Sein unverwechselbarer Charme bringt nicht nur die Katzenherzen auf der Bühne zum Schlagen. Und sein Witz zaubert dem ganzen Publikum ein Lächeln ins Gesicht.

Rum Tum Tugger © Nilz Böhme

Doch dann kullert die eine oder andere Träne. Zum Glück sind es Freudentränen. Verantwortlich dafür: Der Auftritt von Grizabella, die das  allbekannte Lied „Memory“ bzw. „Erinnerung“ zum Besten gibt. Ihre Stimme - engelhaft. Sogar das kleine circa 6-jährige Mädchen neben mir scheint das Blinzeln vergessen zu haben so starr scheinen ihre blauen Knopfaugen. Grizabella, der Katzenstar, wird vom Rest der Sippe gemieden, obwohl sie eine Jellicle Katze ist. Sie hat die Heimat der Jellicle Katzen vor vielen Jahren verlassen, um die Welt zu erkunden und will jetzt wieder zurück. Von den anderen gemieden lässt sie ihre „Erinnerung“ Revue passieren…

„Wie spricht man eine Katze an?“

Im letzten Ensemble erklärt das Katzen-Oberhaupt Alt Deuteronimus dem Publikum, „wie sehr der Mensch der Katze gleicht“ – was das Publikum noch einmal zum Nachdenken anregt. Vor allem jene, die selber einen schnurrenden Vierbeiner zuhause haben.

Und meine Sitznachbarin, das kleine Mädchen? Glückselig verlässt sie mit ihren Eltern das Theater und winkt einer Katze, die kurz auf der Bühne erscheint, noch einmal zu.

Text: Katharina Krabacher