Karneval in Venedig – Die Lagunenstadt im Ausnahmezustand

Karneval in Venedig – Die Lagunenstadt im Ausnahmezustand

Venedig Gondeln (cby Julia Hitthaler)
Historischer Umzug auf Ruderboten und Gondeln.

Vor der schmalen Brücke staut es sich. In der Mitte steht ein Polizist, der den Fußgängerverkehr regelt. Wie auf der Straße herrscht hier Rechtsverkehr. Damit der Menschenstrom vom bzw. zum Markusplatz möglichst im Fluss bleibt.

Im historischen Zentrum von Venedig ist immer viel los. Zu Zeiten des Karnevals wird das nochmals getoppt. Auf der Straße und den Plätzen sind Bars aufgebaut, an denen bunte Getränke ausgeschenkt und venezianische Spezialitäten angeboten werden. Aufwändig kostümierte Menschen präsentieren sich und werden von anderen bewundert und fotografiert.

Karneval in Venedig, das ist Fasching einmal anders und das sollte man zumindest einmal erlebt haben. Laute Umzüge mit von Traktoren oder Lkw gezogenen Faschingsumzügen, das gibt es in Venedig nicht. Dafür Gedränge und Party auf der Straße und in den Palazzi. Mit den romantisierten Bildern aus dem historischen Venedig hat das freilich nicht viel zu tun. Der Karneval ist heute ein Fest, das tausende Touristen anzieht und bei dem es viel zu schauen und erleben gibt.

Historische Kostüme (cby Julia Hitthaler)
Historische Kostüme

Startschuss ist am Sonntag um 12:00 Uhr der „Engelsflug“ vom Campanile auf den Markusplatz, dem die Massen entgegenfiebern. Ein weiteres Highlight sind die historischen Umzüge auf Ruderboten und Gondeln zwischen Canal Grande und Rio di Cannaregio.

Der Karneval in Venedig hat eigentlich eine verruchte Geschichte. Die Maskierungen dienten dazu, bei wilden Partys, Maskenbällen, Glücksspiel und erotischen Abenteuern unerkannt zu bleiben. Zur Zeit Casanovas im 18. Jahrhundert erreichte das Treiben seinen Höhepunkt. Gefeiert wurde damals weit über die klassische Faschingszeit hinaus. Masken wurden fast das ganze Jahr über zu unterschiedlichsten Anlässen getragen.

Im Jahr 1797 fand die Karnevalstradition mit dem Niedergang der venezianischen Republik ein abruptes Ende. Fast 200 Jahre dauerte es, bis sie so richtig wiederbelebt wurde. Freilich unter ganz anderen Voraussetzungen: Als beliebtes Spektakel von und für Touristen, bei dem man nicht nur dabei sein, sondern aktiv mitmachen kann.

Karneval in Venedig – Masken, Kostüme und beliebte Souvenirs

Viele der Kostümierten reisen heute aus dem Ausland an und zeigen ihre in langer Handarbeit selbst gemachten Verkleidungen. Die schönsten davon werden prämiert. Natürlich gibt es Kostüme auch von der Stange. Je nach Qualität muss man dafür ordentlich in die Tasche greifen.

Unter den historischen Kostümen war die Bautta das wohl bekannteste: Ein bodenlanger schwarzer Umhang mit Kapuze, der venezianische Dreispitz am Kopf und vor dem Gesicht eine bis zum Mund reichende meist weiße Maske. Diese Kostümierung ist auch heute noch zum Karneval in den Gassen Venedigs zu sehen.

Masken spielen in Venedig überhaupt eine große Rolle, sind sie doch eines der beliebtesten Souvenirs. Die Geschichte der Maskenmacher ist so alt wie der Karneval selbst. Neben den klassischen weißen und schwarzen Exemplaren gibt es reich mit Federn und Glitzersteinen verzierte oder bemalte Prachtexemplare. Wer sich ein wenig Zeit nimmt und durch die Straßen spaziert, findet noch echte Handwerker und Künstler, die selbst Masken anfertigen und nicht nur importierten Kitsch aus Asien.

 

Text und Fotos: Julia Hitthaler / Apollomedia.at