Wenn der Herbst Südtirol in ein Meer aus Gold, Rot und Orange taucht, beginnt eine der schönsten Traditionen des Alpenraums: das Törggelen. Jetzt öffnen urige Buschenschänken und gemütliche Bauernstuben ihre Türen, während der Duft von frisch gebratenen Kastanien, herzhaften Südtiroler Spezialitäten und jungem Wein durch die Täler zieht.
Nach einer Wanderung durch die farbenprächtigen Weinberge und Kastanienhaine gibt es kaum etwas Schöneres, als bei einem traditionellen Törggelen-Menü einzukehren. Knödel, Schlutzkrapfen, Speck, Hauswürste mit Sauerkraut und süße Kastanien gehören ebenso dazu wie gesellige Stunden in gemütlicher Runde.
Was für die Südtiroler seit Jahrhunderten gelebte Tradition ist, wird für Besucherinnen zu einem authentischen Erlebnis für alle Sinne. Hier wird nicht nur gegessen und getrunken, sondern die besondere Atmosphäre des Herbstes gefeiert. Der junge Wein, der sogenannte „Nuie“, und der leicht vergorene Traubenmost, der „Suser“, dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Dazu werden regionale Köstlichkeiten serviert, die das Törggelen zu einem kulinarischen Höhepunkt des Jahres machen.
Suser
Frischer Traubenmost, der gerade zu gären beginnt und nur einen geringen Alkoholgehalt aufweist.
Nuie
Der junge Wein des aktuellen Jahrgangs. Fruchtig, frisch und typisch für die Törggelen-Zeit.
Keschtn
Geröstete Kastanien, die traditionell zum jungen Wein serviert werden.
Marende
Die klassische Südtiroler Brettljause mit Speck, Kaminwurzen, regionalem Käse und Schüttelbrot.
Erdäpfelblattln
Knusprig ausgebackene Teigfladen aus Kartoffelteig, oft mit Sauerkraut serviert.
Tirtlen
Traditionelles gefülltes Schmalzgebäck mit herzhaften oder süßen Varianten.
Strauben
Ein beliebtes Südtiroler Hefegebäck, das meist mit Preiselbeermarmelade serviert wird.
Treber
Ein kräftiger Schnaps aus den Rückständen der Weinherstellung, der traditionell nach dem Essen genossen wird.
Seinen Ursprung hat das Törggelen im Eisacktal. Besonders die Orte Barbian und Villanders gelten als Hochburgen dieser Tradition. Hier reihen sich urige Buschenschänken entlang sonniger Wanderwege und laden zum Einkehren ein.
Der Name stammt vom Südtiroler Wort „Torggl“, der traditionellen Weinpresse. Dieses wiederum leitet sich vom lateinischen Begriff „torquere“ ab, was so viel wie „pressen“ bedeutet. Ursprünglich trafen sich Winzer und Bauern nach der Weinlese rund um die Weinpresse, um den neuen Wein zu verkosten. Aus diesem Brauch entwickelte sich das heutige Törggelen.
Die Törggelen-Saison beginnt mit der Weinlese im Herbst und dauert meist von Anfang Oktober bis zum Beginn der Adventszeit. Dann zeigt sich Südtirol von seiner genussvollsten Seite: milde Temperaturen, klare Bergluft, leuchtende Weinberge und eine Gastfreundschaft, die jede Einkehr zu einem besonderen Erlebnis macht.
Unser Tipp: Verbinden Sie das Törggelen mit einer Herbstwanderung durch die Weinberge des Eisacktals. So erleben Sie Südtirol nicht nur kulinarisch, sondern auch von seiner landschaftlich schönsten Seite. 🍂🍷🌰
Fotos: IDM Südtirol